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Credit: Frank Respondek

12.01.2026

Realeffekte einer Lohnerhöhung

Mindestlohn und Lohnerhöhung begleiten den Einstieg ins 2026er Jahr. Arbeitgebende müssen nun mit Bedacht die finanzielle Belastung stemmen und entgegenwirken. Ein Kommentar von Peter Zöllner.

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Kommentar von Bianca und Peter Zöllner, Unternehmensberatung

Ausgangslage: Mindestlohn, Lohnerhöhungen und ihre realen Effekte

In der öffentlichen Diskussion werden regelmäßige Mindestlohnerhöhungen häufig als Erfolg für Arbeitnehmer dargestellt. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist das Bild jedoch differenzierter: Die größten Profiteure sind nachweislich die Sozialkassen und der Staat, da ein erheblicher Anteil jeder Lohnerhöhung direkt in Steuern und Sozialabgaben fließt.

Für Betriebe – insbesondere Friseursalons – stellt dies eine zunehmende finanzielle Belastung dar, während für die Mitarbeitenden netto oft deutlich weniger ankommt, als die prozentuale Erhöhung vermuten lässt.

Beispielrechnung: Warum 20 % Lohnerhöhung nicht 20 % mehr netto bedeuten

Nehmen wir eine Lohnerhöhung von 20 % an.

  • Für den Salon steigen die gesamten Personalkosten ebenfalls um 20 %.
    Das liegt an der Kopplung aller Lohnnebenkosten an das Bruttogehalt.
  • Beim Mitarbeitenden kommen netto jedoch nur etwa 16 % an.
    Grund: Steuerprogression

Diese Struktur ist politisch gewollt und seit Jahrzehnten im System verankert. Es hilft daher wenig, sich ausschließlich über Mindestlohnerhöhungen zu beklagen – das Problem ist systemisch und betrifft alle Branchen.

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Warum das System nicht einfach veränderbar ist

Das deutsche Sozialversicherungssystem basiert im Kern auf drei Bausteinen:

  • Beitragsfinanzierung: Löhne = Basis für Sozialabgaben
  • Solidarprinzip: höhere Löhne = höhere Beiträge
  • Unterschiedliche Regeln für bestimmte Gruppen: Selbstständige, Beamte und Beschäftigte über der Beitragsbemessungsgrenze

Oberhalb bestimmter Bruttoeinkommen sinkt der prozentuale Anteil der Sozialabgaben wieder, aber davon sind die meisten Mitarbeitenden im Friseurhandwerk weit entfernt.

Würden die Löhne nicht erhöht, gerieten viele Beschäftigte angesichts steigender Lebenshaltungskosten in Situationen, in denen sie staatliche Unterstützung beantragen müssten. Das kann kein wirtschaftlich tragfähiger Weg für eine ganze Branche sein.

Die entscheidende Frage: Was kann der Salon tun?

Die zentrale Aufgabe für jeden Salon lautet daher:

„Welche Möglichkeiten habe ich, meine Mitarbeitenden besser zu bezahlen – trotz hoher Abgabenlast?“

Wir empfehlen einen mehrschichtigen AnsatzMitarbeiter-Vorteile mit geringer oder ganz ohne Sozialabgaben

Es gibt zahlreiche legale, steueroptimierte Wege, Mitarbeitende finanziell zu entlasten und gleichzeitig attraktiv als Arbeitgeber zu werden:

1. Steuerfreie oder pauschalversteuerte Zusatzleistungen

  • Sachbezugswert (bis 50 €/Monat)
  • Essenszuschüsse
  • Fahrtkostenzuschüsse
  • Internetzuschuss
  • Gesundheitsbudget / betriebliche Krankenversicherung
  • Gutscheine zur Kinderbetreuung
  • Minijobgrenze von 556 € auf 603 € erhöht.

2. Vorteile mit geringer Sozialabgabenlast

  • Erfolgsbeteiligungen
  • Inflationsausgleich (aktuell nicht möglich)
  • Fortbildungsbudgets
  • Mitarbeiter-Rabatte auf Produkte und Dienstleistungen

3. Vorteile für InhaberInnen (ebenfalls steueroptimiert möglich)

  • Dienst- oder E-Bike-Leasing
  • Firmenfahrzeug (1%-Regel oder 0,25% bei E-Autos)
  • Betriebliche Altersvorsorge

Diese Möglichkeiten können die Netto-Situation eines Mitarbeiters spürbar verbessern, ohne dass der Salon proportional höhere Bruttolöhne zahlen muss.

Was kann das Unternehmen selbst tun, um höhere Löhne zu finanzieren?

Ein Friseursalon hat drei Stellhebel:

1. Preise erhöhen – aber intelligent

  • moderate, gut kommunizierte Preisanpassungen
  • Paketpreise
  • Mehrstufenpreise nach Erfahrung oder Nachfrage
  • Fokus auf wertsteigernde Dienstleistungen, nicht auf Rabatte

2. Dienstleistungen kalkulieren und optimieren

  • Minutenpreiskalkulation auf Grundlage aller Kosten
  • neue, margenstarke Services einführen
  • Prozesse beschleunigen (Digitalisierung, Laufzettel, clevere Terminvergabe)
  • Zusatzverkäufe als Kultur etablieren
  • Kapazitäten besser auslasten

3. Attraktivere Kunden anziehen

  • Zielgruppenschärfung (Qualität vor Quantität)
  • Online Marketing, Google Reviews
  • Preis-Leistungs-Kompetenz sichtbar machen
  • Salonpositionierung als Spezialist

Ein Salon, der bewusst an diesen Stellhebeln arbeitet, kann sich Löhne leisten, die deutlich über dem Branchenstandard liegen, egal wie das staatliche System aussieht.

Fazit

Die steigenden Mindestlöhne und Lohnnebenkosten sind Realität – und sie treffen das Friseurhandwerk besonders stark. Statt jedoch ausschließlich auf politische Rahmenbedingungen zu schauen, lohnt es sich für Saloninhaber:innen, den Blick auf die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten zu richten.

Mit strategischen Preisstrukturen, optimierten Salonprozessen und intelligenten Mitarbeiterbenefits können Sie die Netto-Situation Ihrer Mitarbeitenden verbessern und gleichzeitig wirtschaftlich stabil bleiben.

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