Dr. Michael Allert ist Geschäftsführer der haircare.group (baslerbeauty, unique, MAG cosmetics) zu der seit 2017 auch die Keller company inklusive Keller the school gehört.
Im Interview mit Katja Ottiger
Der Herbst ist da, die Infektionszahlen steigen. Vor welche Herausforderungen stellt euch das als Filialisten?
Michael Allert: Wir sind gut vorbereitet, das Hygienekonzept funktioniert offensichtlich gut, denn nachdem in einem Fall ein Kunde nach seinem Besuch positiv getestet wurde, gab es keine weiteren Infektionen im Salon. Unsere Mitarbeiter halten sich strikt an die Maßnahmen und viele Kunden haben auch noch weiterhin großes Verständnis dafür.
„Wir nehmen eine Covid-Müdigkeit wahr.“
Was heißt „noch“?
MA: Wir nehmen eine Covid-Müdigkeit wahr, nicht alle Kunden wollen oder können die strikten Regeln aushalten. Es gibt einige, die wenig Verständnis für die strengen Maßnahmen zeigen und keine Lust haben, Maske zu tragen. Unsere Friseure tragen die Maske den ganzen Tag und jammern nicht, müssen aber Diskussionen aushalten und die Vorschriften durchsetzen. Wir haben wirklich großen Respekt vor unseren FriseurInnen!
„Wir haben wirklich großen Respekt vor unseren Friseuren!“
Wann ratet ihr Mitarbeitern zu Covid-19 Tests?
MA: Bei Verdacht, bei Reiserückkehr, bei Kontakt mit positiv Getesteten oder auch einfach bei Sorgen. Dann sprechen wir direkt und persönlich mit unseren Mitarbeitern und raten zum Test, sollte dieser nicht sowieso schon vom Gesundheitsamt angeordnet worden sein.
„Einer unserer Partner hat alle seine Mitarbeiter einmal durchtesten lassen.“
Hattet ihr schon solche Fälle?
MA: Einer unserer Partner hat alle seine Mitarbeiter einmal durchtesten lassen, proaktiv! Während des Shutdowns waren viele Mitarbeiter unsicher, aber alle Testergebnisse waren negativ.
Handhaben Entscheidungen wie Tests eure Franchisenehmer in Eigenregie?
MA: Wir haben allgemeine Richtlinien, die salonübergreifend gelten. Natürlich darf jeder Partner selbständig und eigenverantwortlich handeln, schon bedingt durch andere Voraussetzungen. Wir versuchen immer, einheitliche Kundenkommunikation in den Salons zu gewährleisten: Infoblätter für Kunden und Mitarbeiter, die Geschäftsausstattung usw. erhalten unsere Partner von unserer Verwaltungszentrale, ebenso die Virenschutzprodukte wie Masken, Plexiglas, Desinfektionsmittel usw..
„Durch flexible Standorte wäre auch eine Lösung für Mitarbeitersharing zu finden.“
Setzt ihr auf Mitarbeitersharing innerhalb der Salons, sollte es zu vorübergehenden Ausfällen kommen?
MA: Wir sind in der vorteilhaften Situation, teilweise mehrere Salons in der Nähe eines Standorts zu haben und könnten so notfalls auch Kunden in anderen Salons unterbringen. Durch flexible Einsatzorte wäre auch eine Lösung für Mitarbeitersharing zu finden. Aber bisher mussten wir noch nicht darauf zurückgreifen, was natürlich auch einen größeren Verwaltungsaufwand bedeuten würde.
„Der Shutdown hat uns Umsatzeinbußen und eine ganze Portion Unsicherheit beschert.“
Wie habt ihr den Shutdown überstanden?
MA: Der Shutdown hat uns Umsatzeinbußen und eine ganze Portion Unsicherheit beschert, unsere Mitarbeiter waren in Kurzarbeit und mussten Einbußen hinnehmen. Mit einer Sonderbonuszahlung haben wir versucht, ihre Situation zu verbessern und gerade prüfen wir, ob wir eine zweite Bonuszahlung im Herbst vornehmen können.
„Seit wir wieder Getränke ausgeben und Augenpflege anbieten,
wird der Salonalltag wieder normaler.“
Und in den Salons?
MA: Nach dem Shutdown war, wie bei den meisten Salons, der erste Ansturm enorm. Inzwischen hat sich die Lage sehr beruhigt und es kommen tendenziell weniger Kunden als zuvor. Wir hoffen, die Situation normalisiert sich bald.
Auch die anfängliche Verunsicherung der Friseure hat sich gelegt. Der Mund-Nasen-Schutz ist Gewohnheit, die Hygiene hat sich verselbstständigt und seit wir wieder Getränke ausgeben und Augenpflege anbieten, wird der Salonalltag auch wieder normaler.