Schwarzarbeit ist ja nicht nur in den Salons ein Thema. Leider ist es in kaum einem Handwerk so leicht, „nebenbei“ Geld dazuzuverdienen. In nur fünf Jahren ist der Anteil von Teilzeitkräften von 35 % auf 51 % angestiegen. Da ist viel möglich. Für das Friseurhandwerk ist das ein immenser finanzieller Schaden und für den Staat ebenso. Also, was tun?
GS: Das Friseurhandwerk ist eine kritische Infrastruktur, deshalb sollte es – wie haushaltsnahe Dienstleistungen – abgesichert sein. Eine Absetzbarkeit der persönlichen Dienstleistung halte ich für sinnvoll. Wenn jeder Kunde im Salon nach einem Bon fragen würde, wäre das ein weiterer Hebel gegen Schwarzarbeit. So könnte die Schattenwirtschaft von vornherein bekämpft werden. Dafür setze ich mich gern ein – in Rheinland-Pfalz und in Berlin.
27 % der Friseurunternehmen sind Kleinunternehmer und können ohne MwSt. ihre Preise verrechnen. Die Tendenz ist steigend, vor allem mit der neuen, höheren Kleinunternehmergrenze von 25.000 Euro. Der Staat schaut hier weg und nimmt sich dieser Argumentation nicht an.
GS: Das ist auch schwierig, denn hier müssen wir die Diskussion gewerkespezifisch führen. Die große Frage bleibt doch: Ab wann kippt ein System? Ab 30 %, ab 35 %? Es wäre ein bürokratischer Kraftakt, für eine Berufsgruppe eine Ausnahmeregelung zu initiieren.
"Da halte ich die Absetzbarkeit der Dienstleistung für zielführender."
Eine weitere Entlastung, um die wettbewerbsverzerrende Kleinunternehmerregelung abzuschwächen, wäre die Reduktion der Mehrwertsteuer auf 7 %. Die Gastro hat diese zuletzt erhalten. Weshalb die Gastro und nicht die Friseure?
GS: Auf Lebensmittel zahlt man zum Teil 7 %, und so sollte es auch in der Gastronomie sein. Deshalb halte ich dort die 7 % für gerechtfertigt. Es wird nicht gehen, für etliche weitere Zweige 7 % einzuführen.
Bei Friseuren müsste man das prüfen – aber jeder hätte gern 7 %, und das wird nicht gehen. Da halte ich die Absetzbarkeit der Dienstleistung für zielführender.
Es gibt viele Menschen, die nicht in Ausbildung sind, nicht arbeiten, nicht studieren – während das Friseurhandwerk dringend um Nachwuchs kämpft. Was sollte die Regierung hier tun?
GS: Wir brauchen „Tage des Handwerks“ und eine Praktikumsförderung, um mehr junge Menschen an das Handwerk heranzuführen. Handwerk kommt leider noch immer viel zu kurz. Es braucht aber auch Ansätze, um jungen Menschen in der Ausbildung entgegenzukommen.
Können Sie Beispiele nennen?
GS: Ich setze mich beispielsweise für den Führerschein ab 16 ein. Gerade auf dem Land ist das ein Muss, um Ausbildungsbetriebe erreichbar zu machen. Junge Menschen müssen dafür mobil sein; der ÖPNV funktioniert dort zu wenig.
Vielen Dank, Herr Schnieder, für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen viel Kraft für den anstehenden Wahlkampf, und das gesamte Friseurhandwerk freut sich, wenn es in seinen Anliegen gesehen wird.