Ich persönlich bin im Moment etwas desillusioniert, was die Ausbildung betrifft. Ich komme mit der derzeitigen Einstellung der nachrückenden jungen Menschen nicht ganz so gut zurecht:
"Lernen und Üben ist etwas für andere und ich brauche als Erstes eine gute „Work-Life-Balance!"
"Ich weiß noch nicht, ob ich das nach der Ausbildung noch weiter machen möchte, vielleicht findet sich auch noch etwas Besseres!"
„Ausbildung wird immer teurer, die Leistungsbereitschaft nimmt ab.“
Das sind die Kernaussagen, die ich im Moment erlebe. Ich hoffe, dass es meinen KollegInnen besser geht. Fakt ist, es muss auf jeden Fall umgedacht werden.
Die Ausbildung ist für mich als Unternehmerin zu teuer und steht in keinem Verhältnis zur Lernbereitschaft und zur fehlenden Konstanz nach Beendigung der Ausbildung. Mit anderen Worten schmeiße ich Geld aus dem Fenster, wenn ich RICHTIG ausbilden möchte und habe keine Garantie, dass sich der ausgebildete Mitarbeiter an das Unternehmen bindet. Dieses unternehmerische Wagnis ist nicht mein Ding! Dafür waren die Einschnitte durch Corona zu signifikant, was die Kapitaldecke betrifft.
Progressiv gedacht, könnte ich mir eher vorstellen, Ausbildung anzubieten, für die ich bezahlt werde. Dann hat sie vielleicht auch wieder einen Wert. Es herrscht der unterschwellige Anspruchsgedanke vor, alles zu bekommen und es gerichtet zu bekommen. Dadurch entsteht ein Wertigkeitsverlust!
Der in Berlin zusätzlich hinzugekommene weitere Schultag (jetzt 2 Tage pro Woche) macht die betriebswirtschaftliche Rechnung nicht leichter bei den deutlich höheren Ausbildungstarifen - und das für wenig Bereitschaft und eine verschobene Grundeinstellung.
„Ein reiner Ausbildungssalon mit Low-Budget (…) wäre ein interessantes Szenario.“
Es scheint eben auch hier alles im Wandel zu sein und verlangt einmal mehr dem Unternehmer Flexibilität ab. Ein reiner Ausbildungssalon, zu dem KundInnen bewusst gehen, um sich von Auszubildenden betreuen zu lassen, mit Low-Budget-Hintergrund und dem Wissen, dass das Ergebnis vielleicht nicht ganz so perfekt ist, wäre auch ein interessantes Szenario.
Die jungen Menschen wollen ins Tun kommen und nicht lange die Schulbank drücken, wollen Learning by doing – hier, jetzt und sofort! Sie wollen kreieren, sich ausprobieren - ohne schlechtes Gewissen und ohne Konsequenzen tragen zu müssen. Was sich hier für eine Plattform entwickeln lässt, ist für mich noch gänzlich offen und wirklichen Ideenreichtum sehe ich auch nicht in der Branche. Leider.
Um Ausbildung und Zukunft des Handwerks zu sichern, sollten sich Unternehmer, Berufsschulen, Industrie und Politik zusammentun und ein neues Konzept entwickeln. Das würde mich freuen.