Obwohl Arbeitgeber verhandlungsbereit sind, blockiert ausgerechnet die Gewerkschaft den nächsten Schritt. Oliver Kühl erklärt im Interview, warum ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag für Schleswig-Holstein jetzt entscheidend ist, weshalb ein bundesweiter Vertrag wünschenswert wäre – und wie unverständlich es ist, dass ver.di scheitert, obwohl es in anderen Bundesländern längst Tarifverträge gibt.
imSalon: Herr Kühl, Sie setzen sich auf Arbeitnehmerseite für einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag in Schleswig-Holstein ein. Warum ist Ihnen das Thema so wichtig?
Oliver Kühl: Weil die Friseurbranche schon heute unter akutem Fachkräftemangel leidet – und ohne faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen werden wir die Lage nicht verbessern. Ich selbst bin nicht Friseur, aber ich sehe jeden Tag, wie viel Engagement, Kreativität und Können in diesem Beruf stecken. Das muss angemessen honoriert werden. Mein aktueller Fokus liegt auf Schleswig-Holstein, weil wir hier überhaupt keinen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag haben. Ein bundesweiter Vertrag wäre wünschenswert – aber wenn ver.di es schon in unserem Bundesland nicht hinbekommt, obwohl es in anderen Bundesländern längst Tarifverträge gibt, dann läuft etwas grundsätzlich falsch.
Wie läuft der Weg zu so einem Vertrag?
OK: Zunächst muss eine Tarifkommission gebildet werden. Dafür braucht es auf Arbeitnehmerseite in der Regel drei bis fünf gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte, die bereit sind, mitzuarbeiten. Auf Arbeitgeberseite muss es dieselbe Anzahl tarifwilliger Betriebe geben. Erst dann kann die Gewerkschaft in Verhandlungen eintreten. Genau das wollten wir erreichen – die Arbeitgeberseite in Schleswig-Holstein hat bereits signalisiert, dass sie verhandlungsbereit ist.