„Schade, dass Kollegen, gerade wenn sie erfolgreich sind, sich nicht einbringen (…) um Fortschritt für alle zu erarbeiten.“
Du bist im Vorstand der Friseurinnung Karlsruhe, in einer verhältnismäßig jung besetzten Innung mit einem Durchschnittsalter von ca. 40. Warum sollten Unternehmerinnen und Unternehmer, auch Kleinstunternehmende, in die Innung eintreten?
Beky: Diese Frage ist für mich die gleiche, wie die Frage, warum man wählen gehen sollte? Bei der Wahl sage ich, damit die Demokratie bleibt! Bei der Innung sage ich, damit wir gemeinsam einen Fortschritt gestalten. Gerade in Sachen der Ausbildung brauchen wir Zusammenhalt, um Fortschritt zu gestalten. Die Innung hat eine über 100-jährige Tradition, mit dem Landesinnungsverband und dem Zentralverband als unsere direkten Verbände. Nicht alle Berufsgruppen haben so etwas! Und ich finde es wirklich schade, dass Kollegen, gerade wenn sie erfolgreich sind, dort nicht mitarbeiten und sich einbringen möchten, um gemeinsam mit anderen, Fortschritt für alle zu erarbeiten. Ich selbst bin erst vor 7 Jahren in der Innung aktiv geworden. Auch wenn wir eine große Innung mit vielen Kollegen sind, brauchen wir dort junge und erfolgreiche Leute, die mit voranziehen.
In eurer Innung wurde jüngst ein neuer Fachbeitrat aufgestellt. Ist es wichtig, dass Innungen Trends herausbringen?
Beky: Ich finde es gut. Wieso sollen nicht die kleinen Innungen sich einsetzen und abbilden, wie die Trends in ihren Augen aussehen. Es ist immer ein anderer Blickwinkel, den wir hier in Deutschland haben. Jemand in Paris sieht die Mode anders als jemand in New York oder Bologna. Es muss nicht immer alles www sein, es kann auch lokal Mode gestaltet werden. Wir leben in Zeiten, in denen wir immer mehr lokal denken und lokal einkaufen. Das ist lokales Handwerk mit den Augen aus Karlsruhe und Umgebung.
„Ich sehe mich nicht als Arbeitgeberin, die von der Politik einen besseren Steuersatz braucht.“
Wir hören oft, dass Friseure mit ihren Forderungen nicht laut genug sind. Für welche ►Forderung würdest du dich einsetzen?
Beky: Konkret finde ich es schwierig, dass Friseure immer am Gleichen festhalten. Nehmen wir den Mehrwertsteuersatz: Warum sollten wir Friseure hier ausgenommen sein? Ich sehe mich nicht als Arbeitgeberin, die von der Politik einen besseren Steuersatz braucht. Ich finde andere Ansätze besser, wie dass wir vom Staat Unterstützungen bei Freibeträgen und Erleichterungen bekommen, um unsere jungen Friseure nach der Ausbildung weiter fördern zu können.
Woran denkst du da?
Beky: Aktuell haben wir alle das Problem, keine Fachleute zu bekommen. Wo kann der Staat mit seinen Leistungen hier Friseure unterstützen? Eben darin, dass, wenn man Leute aus anderen Ländern integrieren möchte, die Politik Kurse zur Verfügung stellt und nicht, dass diese teilweise selbst oder anteilig bezahlt werden müssen. Das belastet die Kasse der Unternehmen. Steuersenkungen helfen uns letztlich nicht, bessere Strukturen und mehr Personal zu bekommen.
Du hast Mitarbeiterinnen aus dem Ausland integriert?
Beky: Ja, wir sind in unserem Salon sehr international aufgestellt und haben jetzt eine weitere Friseurin aus der Ukraine und eine aus Montenegro. Nur, es dauert im Schnitt neun Monate, bis sie eine Arbeitserlaubnis bekommen. Sie dürfen in dieser Zeit nicht arbeiten. Das ist eine Bürokratie, die es uns schwer macht, Menschen, die arbeiten wollen, in die Salons zu holen. Ich bin selbst ein Flüchtlingskind und ich versuche immer, Menschen, die nicht die gleichen Voraussetzungen haben wie die, die hier aufgewachsen sind, zu unterstützen.
„Es jammern alle, nur kommen wir so nicht voran.“
Du bist politisch aktiv, hast dich in Karlsruhe als Gemeinderätin für die FDP aufstellen lassen und für den Ortschaftsrat in Neureut. Warum engagierst du dich aktiv in der Politik?
Beky: Das ist einfach: Es jammern alle, nur kommen wir so nicht voran. Ich liege abends nicht auf meiner Couch, ich stehe ich auf und versuche mitzumachen, Ideen und Forderungen zu transportieren. Ich mache das ehrenamtlich und das ist viel Arbeit. Wir nehmen die Unzufriedenheiten der Menschen ja auch im Salon wahr und ich mag mir das nicht immer nur anhören und nichts dagegen tun.
Du kandidierst für die FDP. Hast du das Gefühl, dass deine Interessen entsprechend vertreten werden?
Beky: Man muss sich selbst in einer Partei widerfinden. Und was wir hier auf lokaler, kommunaler Ebene haben, sind die Menschen, mit deren Ansichten und Zielen ich persönlich gut klarkomme.