Welches Thema beschäftigt dich aktuell besonders?
AR: Mein über alles geliebtes Reizthema ist im Moment die „nicht gelebte Dienstleistung“. Und die einfache Frage: Wie viel Zeit brauchst du, um freundlich und herzlich zu einer Kundin zu sein?
Keine Frage, das ist doch Voraussetzung!
AR: Eben nicht. Lauf mal durch die Stadt, geh in Boutiquen, in Läden … du wirst oft nur noch angeraunzt, im Autohaus hat keiner Zeit. Du bestellst einen Leihwagen für die Inspektion, zahlst dafür heute 50 Euro, kommst an und dann heißt’s: „Oh, das ist ein Elektroauto, das ist nicht geladen.“ Und du wartest eine Stunde.
Mir geht’s darum, dass Dinge für Kundinnen und Kunden funktionieren. Dass wir Menschen signalisieren: „Schön, dass du da bist.“ Und nicht den Mund verziehen, weil jemand zehn Minuten zu spät kommt. Oder, noch schlimmer, öffentlich ablästern. Ich habe mir Headlines aus Friseur-Facebook-Gruppen gesichert, die ich auch gern in Vorträgen herzeige. Da wird über Kunden geredet, da kannst du nur hoffen, dass Kundinnen und Kunden das nie lesen.
Was zum Beispiel?
AR: „Die Kunden werden immer schlimmer.“
„Sie sind eine Katastrophe.“
„Sie benehmen sich wie offene Hose.“
„Wir bekommen keine Wertschätzung mehr.“
„Ich kann mich doch nicht kaputt arbeiten, deswegen machen wir samstags zu.“
Was ist das denn? So wird im Moment über Kundschaft geredet und mit dieser Haltung gehen Kolleginnen und Kollegen in den Salon? Viele Posts sind sogar von Inhabern. Da hat sich ein Frust entwickelt - gegen Politik, gegen alles. Wirtschaftlich ist es echt ätzend geworden, das gebe ich zu. Aber meine Kunden können nichts dafür. Und sie schlucken jedes Jahr steigende Preise.