Im Grunde eine mobile Friseurin, aber Haarrad klingt doch viel zeitgemäßer…
HA: Ja, das Fahrrad trifft den Zeitgeist. Mobile Friseure haben den Ruf, dass sie für alte und behinderte Menschen sind, die das Haus nicht verlassen können. Aber mobiler Friseur kann für alle Menschen da sein – die Leute, die mich buchen sind begeistert und dankbar, wenn ich zu ihnen komme. Es ist für alle entspannter und es gibt keine Wartezeiten. Gerade bei Familien mit Kindern ist das toll. Es ist wertschätzender, mehr 1:1. Ich bekomme auch das Feedback direkt zurück und die Kunden sind wirklich meine Kunden.
„Als ich angefangen habe, hatte ich keinen einzigen Kunden“
Muss man als mobile Friseurin mehr Initiative ergreifen? Du hast ja keine Laufkundschaft.
HA: Als ich angefangen habe, hatte ich keinen einzigen Kunden, ich musste mir das alles hart erarbeiten. Man hat ja keinen Standort, wo die Leute vorbeilaufen. Ich habe Flyer an Äpfel gebunden und am Markt verschenkt, ganz viele Visitenkarten verteilt, war jeden Tag unterwegs. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, welches Klientel mich bucht - das sind oft Leute, die selbst keine Lust auf das Salonambiente haben und viele bewusste Menschen, die die Idee gut finden.
Du schneidest, aber färbst nicht? Viele Friseure finanzieren sich gerade durch Farbdienstleistungen.
HA: Ich stehe einfach nicht dahinter, die Naturhaarfarbe finde ich immer am schönsten. Zum anderen ist es auch die Chemie, schon alleine den Geruch, man würde sich ja auch sonst keine Chemie auf die Haut auftragen. Und zum dritten sind es auch logistische Gründe – ich bräuchte eine riesen Farbpalette und das ist mit dem Rad schwierig zu transportieren.
Bevor du das Haarrad gegründet hast, warst du zwei Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff. Die besten Erfahrungen aus der Zeit?
HA: Ich habe gemerkt, was ich nicht machen möchte. Ich habe extrem viel gelernt, über mich selbst und Menschen generell. Es war noch extremer als im Salon, weil man von 8-20 Uhr geöffnet hat, sieben Tage die Woche, sechs Monate am Stück und es geht zack-zack-zack, einer nach dem anderen. Die eigene Belastbarkeit wird auf die Probe gestellt. Es ist noch unpersönlicher, weil man nur Laufkunden hat. In der Zeit ist mir bewusst geworden, wie wichtig mir meine Stammkunden sind und merke auch jetzt, wie schön das ist.