Im Interview mit Juliane Krammer
Liebe Patrizia Gundlach, Sie haben ihre Preise angepasst und sich für ein geschlechterneutrales Pricing entschieden u.a. um die Löhne ihrer MitarbeiterInnen zu erhöhen. Wie kam es dazu?
Patrizia Gundlach: Das Thema, dass Friseure nicht gut verdienen war mir schon immer ein Dorn im Auge. Im ersten Lockdown haben wir unsere Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet, das hat den Stein ins Rollen gebracht. Wenn man Mitarbeiter plötzlich mit 60% Gehalt anmeldet und über die Rente nachdenkt, da bleibt einem bei so einem niedrigen Gehalt ja nichts mehr übrig. Wenn man Glück hat, reicht es für die Miete. Aber was ist bei Urlaub oder Krankheit? Denn das Trinkgeld fällt dann auch weg. Das bringt mir für die Rente nichts. Das ist ja nur für den Moment. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, die Löhne meiner Mitarbeiterinnen zu erhöhen, was zur Folge hat, dass ich einen Teil meiner Preise anpassen musste.
Sie haben dazu ja auch auf Ihrer Webseite (nachzulesen ► hier) eine Argumentation verfasst, warum sich die Preise ändern. Wie kam die Preiserhöhung bei den KundInnen an?
"Trotzdem haben dann viele den Salon gewechselt. Das war mir auch klar."
PG: Ich habe die Erklärung in mehreren Ausführungen gemacht: auf der Webseite, ich habe Flyer gedruckt und KundInnen persönlich angesprochen. Das wurde sehr positiv aufgenommen. Trotzdem haben dann viele den Salon gewechselt. Das war mir auch klar. Aber jemand, der nicht bereit ist, die Leistung zu schätzen und umzudenken … - man nimmt auch bei anderen Handwerkern Dienstleistungen in Anspruch – da wird auch nicht gemeckert. Unser großes Branchen-Problem sind die Friseure, die versuchen mit niedrigen Preisen zu punkten. Das geht aber nicht, wenn man einen Anspruch an Qualität hat.