Was macht Schweden anders?
HH: Offiziell gibt es ja in Deutschland noch immer keine Pflicht zur Registrierkasse. In Schweden wurde 2010 eine Registrierkassenpflicht eingeführt und genau zu diesem Zeitpunkt ist die Friseurindustrie explodiert, plötzlich haben sich viele angemeldet. In Schweden war man zur Einführung sehr streng und auch seitdem gibt es immer wieder heftige Kontrollen, maßgeblich bei Friseursalons und in der Gastronomie. Es braucht Kontrollen und diese werden dann auch medienträchtig kommuniziert.
Sind denn die Friseurgehälter in Schweden höher?
HH: Das ist ganz interessant. Konkret verdient ein Friseur umgerechnet etwa 3.200,- € brutto, teils fix, teils variabel. Das ist mehr als ein Polizist oder eine Krankenschwester. Wichtig ist zu wissen, dass das Lohnniveau in Schweden ziemlich genau dem deutschen Lohngefüge entspricht. Eine Friseurin verdient also im direkten Ländervergleich in Schweden um einiges mehr. Dadurch entfällt der Anreiz nebenher noch etwas dazuverdienen zu müssen.
Sind die Preise entsprechend anders?
HH: Die Friseurdienstleistungspreise liegen ca. 30-40% höher als in Deutschland. In Skandinavien sind die Menschen bereit, mehr für den Friseur zu zahlen.
Viel diskutiert, die Abschaffung des Bargeldes. Wenn alle mit Karte zahlen, dann wird die Schwarzarbeit in Salons (Sozialversicherungsbetrug/ illegale Beschäftigung) auch schwieriger.
Die skandinavischen Länder sind führend, was elektronische Zahlung anbelangt. Welche Erfahrungen hast du hier im Friseurhandwerk gemacht?
HH: Bargeld ist in Skandinavien ungewöhnlich. Hier dominierte ursprünglich der Sicherheitsgedanke, nicht mit Bargeld herumlaufen zu müssen. Es hilft definitiv bei der Nachvollziehbarkeit.
Wie ist eigentlich die Mehrwertsteuersituation bei Friseuren in Schweden?
HH: Der Mehrwertsteuersatz liegt in Schweden bei 25%. Es gibt auch hier Kleinunternehmer, die weniger als 20.000 € Umsatz machen. Für diese gilt keine Registrierkassenpflicht, diese werden aber auch stärker kontrolliert.
"In Schweden ist die Steuerbehörde sehr aktiv und hat dort übrigens den Rang wie die Polizei, da spaßt man nicht."
Gibt es eigentlich auch eine Barbershop-Szene?
HH: Ja, die gibt es, aber nicht in dem Ausmaß wie hier. In Schweden ist die Steuerbehörde sehr aktiv und hat dort übrigens den Rang wie die Polizei, da spaßt man nicht.
Wie sieht es denn mit dem Nachwuchs in Schweden aus. Es heißt ja immer, höhere Gehälter bringen mehr Mitarbeiter.
HH: Auch in Schweden geht der Nachwuchs leicht zurück, nur eben lange nicht so extrem wie in Deutschland. Auch der Mitarbeiterschwund ist bei weitem nicht so drastisch, wie bei uns.
Und wie ist Ausbildung organisiert?
HH: Mehrheitlich privat, dafür gibt es Akademien und Schulen.
Vielen Dank Henrik für die spannenden Informationen aus dem schwedischen Markt.
Henrik Haverkamp war von 2017 bis 2022 Geschäftsführer Wella Skandinavien und Benelux. Seit 2022 ist er Geschäftsführer der Wella Company DACH.