Julia Goray, ist seit 30 Jahren Friseurin und seit 20 Jahren Meisterin. Vor 7 Jahren begann ihre akademische Weiterbildung. Erst Bachelorstudium dann Masterstudium mit dem Fokus Changemanagement. Die akademische Weiterbildung hat viel getriggert, unter anderem im Führungsdenken. 2019 führte es dazu, dass sie ihr eigenes Unternehmen gründete. Heute hat sie 18 Mitarbeitende, inklusive 4 Auszubildende.
Julia Goray im Gespräch mit Raphaela Kirschnick
Du bist Friseurin, hast auch die akademische Seite im Studium kennengelernt und sagst Friseure machen intuitiv viel richtig. Was machen sie denn richtig?
Julia Goray: Die menschliche Kompetente, das ist das, was den Friseuren sehr gut liegt: Kunden zu verstehen, Mitarbeitende zu führen und Menschen empathisch gegenüberzutreten. Das ist sehr zeitgemäß, dennoch befinden wir uns in herausfordernden Zeiten und es gilt nun sich auch existenziellen Fragen, was Wirtschaftlichkeit und Organisation betrifft, zu stellen. Vielen Friseuren fehlen grundlegenden Managementkenntnisse.
Wenn du sagst "Menschen verstehen", inwieweit hilft das im Business?
JG: Konkret in der Mitarbeiterführung, denn Friseure kommunizieren sehr gerne und gerade in den Führungspositionen wissen sie wie.
Und wo gibt es Verbesserungsbedarf?
JG: Leider gibt es einen Satz, der mir auch im Umgang mit dem eigenen Business immer wieder begegnet: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Das ist fatal, denn heute werden andere Konzepte gefordert. Die Menschen haben sich verändert, junge Leute brauchen andere Führungs- und Arbeitskonzepte.
Zum Beispiel?
JG: Flexible Arbeitszeiten sowie Entwicklungsmöglichkeiten sind Themen. Ab 1. Juli haben wir 5 Auszubildende, Ausbildung ist ein irre wichtiges Thema. Theorie ist gut und schön, aber die jungen Leute wollen Praxis, sie wollen handwerklich tätig sein, sie wollen jeden Tag sehen, was sie geschaffen haben, sie wollen die handwerkliche Freude an den Dingen, die sie umsetzen. Das erfordert sehr viel Veränderungsbedarf, und da muss bald viel passieren.