Was erwarten sich die Kunden von einem Besuch bei dir?
Es geht vielen um das Erlebnis und die Historie – manche kommen extra angereist oder planen einen Besuch bei mir im Urlaub dazu, so als kleine Zeitreise. Sie genießen es, ohne das Getue und den Lärm der Maschinen. Manche schlafen auch ein – in den alten Stühlen liegt man ja fast.
Ich hole die Kunden aus ihrem hektischen Alltag raus, daher habe ich auch Kunden, die regelmäßig kommen. Viele Handwerker aus der Gegend, die den Bart vernünftig gemacht haben wollen. Und auf den Festivals sind es natürlich einfach alle.
Ich stimme den Bart wirklich auf den Kunden ab – viele Kollegen benutzen ja nicht mal einen Kamm und können nur ein, zwei Schnitte. Ein guter Bartschnitt ist nachhaltig, weil der Kunde soll ja länger was davon haben.
Eine Friseurausbildung hat dich nie interessiert?
Das war für mich nie ein Thema – ich verdiene so viel wie ein Friseur, nur mit Rasieren. Drei Jahre unterbezahlt eine Ausbildung machen, lohnt sich da nicht. Ich könnte meine Wohnung nicht bezahlen und wenn ich danach nur die Herrenschiene mache, brauche ich die Hälfte nicht mehr.
Ich habe zum Innungsobermeister gesagt, wir müssen den Herrenfriseur wiederbeleben, dann hätte ich auch die Ausbildungen gemacht. Aber so muss ich als „Industrie und Handel“ angemeldet bleiben.
"Der Herrenfriseur muss als Gewerbe und als Ausbildung eingeführt werden, nach amerikanischem Vorbild"
Wie, du hast dich bei der Innung für einen Herrenfriseur starkgemacht?
Ja, ich habe mich eigentlich mit der Innung getroffen, weil ich die Schwarzarbeit eines Barbiers angezeigt habe. Wir haben uns lange unterhalten, was gerade Phase ist. Ich habe mich gefragt, was man machen kann, um den Barbier aus der Schmuddelecke herauszuholen. Der Herrenfriseur muss als Gewerbe und als Ausbildung eingeführt werden, nach amerikanischem Vorbild. Damit würde man einen Sack um das Thema Barbier machen.
Wie waren die Reaktionen darauf?
Die Kreishandwerkerschaft, der Innungsobermeister und ich haben versucht, eine Ausnahmegenehmigung für mein Konzept zu kriegen, wenn ich die nötigen Fortbildungen dazu mache. Die Handwerkskammer hat das abgelehnt. Mein Salon läuft jetzt in Absprache mit der Innung als „Teiltätigkeit Herrenfriseur" für Rasur und Bartpflege.
Mit meinem Salon nutze ich auch diese Lücke, die es in Deutschland gibt, aber wenn man die Schwarzarbeit der Barber unter Kontrolle bekommen möchte, muss man den Beruf des Herrenfriseurs einführen. Die aktuell Arbeitenden könnten ja Amnestie kriegen, bis sie eine Prüfung machen können. Die Frage ist, ob das gewollt ist, oder nicht. Der ewige Kleinkrieg zwischen Friseuren und Barbieren würde damit aufhören.
Wie reagieren denn die Friseurkollegen auf dein Konzept?
Viele lernen mich auf den Veranstaltungen kennen und sind begeistert, weil ich mit den alten Werkzeugen arbeite. Viele Kollegen machen ja 50er oder 20er Jahre Frisuren auf Veranstaltungen – teilweise holen sie mich dann für die Rasur dazu, weil sie wissen, dass ich das gut mache.
Richtiges Handwerk, bei dem die Leute danach gut aussehen, das läuft immer. Ich bin jedes Jahr auf einem Gothic Festival, da stehe ich den ganzen Tag am Stuhl und danach bin ich richtig geschafft. Die Konzentration ist nach so einem Tag einfach durch, die Leute stehen aber Schlange. Ich trinke dann immer demonstrativ mein Feierabendbier, damit keiner mehr kommen kann, ob es nicht doch noch geht.
Die zwei ältesten Barbierstühle Europas stehen bei dir im Laden und du nimmst sie auch mit auf die Festivals - wo kamen die her?
Beide sind aus den USA – dort sind Barbiere ein sehr großes Thema und die hydraulischen Stühle gibt es dort seit 1895. Den Zweiten hatte ich nur als Ersatzteillager für den Ersten gekauft, bis ich an der Seriennummer gesehen habe, dass er noch älter ist, nämlich von 1898. Die Kunden sind schon beeindruckt davon, aber haben auch manchmal Angst, etwas kaputtzumachen.