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Credit: Rike Brochhaus

18.03.2026

„Der Mann von heute will mehr – und genau das ist unsere Chance!“

Barbershops haben den Markt verändert, doch für Markus Salm liegt die Zukunft nicht im schnellen Maschinenschnitt, sondern in Qualität, Konzept und echter Beratung.

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Redakteurin Juliane Krammer im Interview mit Male Grooming Expert Markus Salm

Herr Salm, Sie sind seit vielen Jahren in der Branche tätig und auf Herren spezialisiert. Inwiefern beeinflussen die viel diskutierten Barbershops ihr Geschäft?
Markus Salm:
 Der starke Zuwachs an Barbershops hat den Markt geprägt. Dabei muss man unterscheiden: Es gibt Anbieter, die sehr preisgetrieben arbeiten und es gibt hochwertige Konzepte, die gute Arbeit leisten und den Kunden wirklich abholen. Dadurch ist die Aufmerksamkeit für Rasur und Bartpflege insgesamt gestiegen.

Beeinflusst der Preis diese Entwicklung?
MS:
 Preisdiskussionen haben wir eigentlich nicht, weil bei uns ganz klar ersichtlich ist, welche Leistungen wir anbieten und wofür wir stehen. Was wir aber stark merken: Viele Männer wünschen sich inzwischen gezielt Rasur- und Bartservices. Wir bieten das schon seit vielen Jahren an, machen aber immer wieder mit Aktionswochen oder Displays im Salon darauf aufmerksam. Dann kommt oft die Reaktion: „Ich wusste gar nicht, dass ihr auch rasiert.“ Das zeigt, dass die Nachfrage da ist. Man muss die Leistungen nur sichtbar machen.

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Viele Männer wünschen sich inzwischen gezielt Rasur- und Bartservices.

Kommen Männer auch ausschließlich zur Bartpflege?
MS:
 Einige Kunden kommen nur für den Bartservice. Gerade nach ein bis zwei Wochen ist die Form oft wieder raus, dann kommen sie zum Nacharbeiten. Dafür haben wir eigene Angebote. Unser Service „Beard & Care“ ist zum Beispiel ein reines Bartstyling mit Nassrasur, und wer möchte, mit Nasen- und Ohren-Waxing.

Was kostet dieser Service?
MS:
 „Beard & Care“ kostet 35 Euro. Darin enthalten sind unter anderem Massage, Aftershave-Lotion, Kompressen und die komplette Nassrasur.
Für Rasur alleine verrechnen wir je nach Aufwand 18-25 €. Zeitlich bewegt sich das zwischen 20-30 Minuten. Darüber hinaus haben wir noch ein Premium- und ein Deluxe-Paket. Unsere Services sind in Pakete gegliedert, die auf Männer ausgerichtet sind.

Man muss die Leistungen nur sichtbar machen.

Gibt es ein Paket, das am häufigsten gebucht wird?
MS: „Standard“ mit Waschen, Schneiden, Föhnen, inklusive Kopfmassage ist am meisten gebucht, gefolgt von „Premium“. Bei Zweiterem ist auch noch der Bart-Service enthalten. Viele Männer möchten zwar nicht unbedingt komplett rasiert werden, aber Konturen sauber ausgearbeitet haben. Genau deshalb wird dieses Paket sehr gut angenommen.

Viele Friseursalons haben den Herrenbereich lange eher mitlaufen lassen. Wie kam es bei Ihnen dazu, dass Sie darin so viel Potenzial gesehen haben?
MS:
 Weil mir über die Jahre klar wurde, dass Männer mehr wollen als nur einen Haarschnitt. Ich arbeite nicht ausschließlich im Männer-Bereich, sondern habe auch Damenkunden, und bei den männlichen Kunden erkannte ich das Bedürfnis nach einem Rundum-Erlebnis.
Viele Salons konzentrieren sich nur auf den Haarschnitt und vergessen das „Drumherum“: Wie holt man den Mann wirklich ab? Was möchte er zusätzlich? Gleichzeitig spielt auch die fachliche Spezialisierung eine Rolle. Zu viele wissen nur noch wie die Maschine zu bedienen ist und können heute keinen sauberen Übergang mehr mit der Schere schneiden.

Viele Salons konzentrieren sich nur auf den Haarschnitt und vergessen das 'Drumherum'.

Wenn Salon-InhaberInnen heute sagen: „Wir wollen den Herrenbereich wieder stärker ausbauen“, wo sollte man anfangen?
MS:
 Schulungen und Seminare sind wichtig, weil sie die Fachlichkeit verbessern. Aber das allein reicht nicht. Es ist wie bei Balayage: Ich kann nicht morgen ein neues Konzept anbieten, wenn ich die Technik nicht sicher umsetzen kann.
Im Männer-Bereich bedeutet das: Ich muss die Grundlagen des Haarschnitts beherrschen und mir überlegen, welche Kundenstruktur ich im Salon habe und wo ich mich positionieren möchte. Für mich war früh klar, dass ich im Premiumsegment arbeiten will.

Welches Produktportfolio braucht man für Herrenservices?
MS: 
Meine persönlichen Hero-Produkte sind von STMNT:
1. Das Definition Spray für einen texturierten Look. Ideal für längere Haare, die jetzt bei Männern im Trend sind. Das Produkt kann im Nass- sowie Trockenzustand eingearbeitet werden.
2. Bei feinerem oder kürzerem Haar greife ich immer auf die Matte Paste, da sie Bewegung und gleichzeitig Halt bringt. Flexibel einsetzbar und ideal, um unterschiedliche Stylings zu probieren.
3. Ein neues Top-Produkt, das sich bei Rasur-Kunden bewährt, ist die STMNT Aftershave Lotion. Hervorragend feuchtigkeitsspendend und für mich ein Must-have, um sauber rasierte Bereiche im Nachgang gut zu versorgen.

Wie viel gibt ein männlicher Kunde bei Ihnen im Durchschnitt aus?
MS: In etwa 82 € …

Wie sieht es bei der Altersstruktur aus? Wird die männliche Kundschaft jünger?
MS: Ja. Wir beobachten einen Wandel und es legen immer jüngere Männer Wert auf einen guten Service. Die Haare werden insgesamt wieder länger.

Ich bekomme Seminar-Anfragen aus Barbershops, ...

Wird uns das vom Barbershop abgrenzen?
MS:
 Ich bekomme inzwischen Seminar-Anfragen aus Barbershops, weil dort der Wunsch besteht, längere Haarschnitte besser umsetzen zu können — also nicht nur mit der Maschine zu arbeiten, sondern wirklich mit der Schere. Genau da liegt aktuell eine große Chance: Wir Friseure können uns über qualitativ gute Scherenarbeit und moderne, tragbare Haarschnitte abgrenzen. Klassische Cuts wie Pompadour, Bombage oder andere maskuline Schnittformen sollten dafür beherrscht werden. Aber genauso wichtig ist das Verständnis dafür, was gerade in Mode ist und wie man jüngere Kunden anspricht. Wer das versteht, wird im Männer-Segment langfristig erfolgreich sein.

Gibt es neue Techniken oder Entwicklungen, auf die sich Salons zukunftssicher einstellen sollten?
MS:
 Salons, die sich klar positionieren und ein echtes Konzept haben, werden weiterkommen. Es reicht heute nicht mehr, nur einen Haarschnitt anzubieten. Das gesamte Erlebnis muss stimmen. Der Kunde ist informierter als früher, gerade jüngere Männer wissen sehr genau, was sie wollen und haben Vorlagen dabei. Das bringt aber auch Verantwortung mit sich. Zu viele Friseure schneiden heute einfach das nach, was auf dem Handy gezeigt wird. Dabei wäre oft etwas anderes sinnvoller, je nach Kopfform, Haarstruktur oder Typ. Genau deshalb wird Beratung immer wichtiger. Man muss auch sagen können: „Das sieht gut aus, aber es ist nicht der richtige Look für dich.“ Diese Ehrlichkeit ist entscheidend.

Bei Frauen war Beratung und Erlebnis selbstverständlich, beim Mann musste es schnell gehen. Jetzt scheint sich das zu drehen. Wie sehen Sie das?
MS:
 Absolut. Der Mann ist heute deutlich offener für Service, Qualität und Beratung. Das sieht man auch auf der Straße. Die Ansprüche sind gestiegen, und das ist für unseren Beruf eine gute Entwicklung.

Wie sieht es beim Nachwuchs aus? Wenn man sich auf Herren spezialisiert, wie bildet man junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richtig aus?
MS:
 Ich bin kein Fan davon, in der Ausbildung zu früh zu spezialisieren. Eine gute Friseurausbildung ist die Grundlage für alles. Auch wenn jemand später im Männer-Bereich arbeitet, muss man die Basics beherrschen: Proportionen verstehen, längere Haare schneiden können, sauber arbeiten, Farbe korrekt auftragen.
Gerade heute, wo Männerhaare wieder länger werden und natürlicher fallen, ist Wissen aus dem Damenbereich notwendig, natürlich immer übersetzt in eine maskuline Form. Man könnte darüber nachdenken, nach dem ersten Lehrjahr in die Spezialisierung zu gehen.

Vielen Dank, Herr Salm, und alles Gute für die Zukunft! 

Über Markus Salm

  • 1 Salon in Bonn | Friseure Markus und Thomas Salm
  • 28 Mitarbeitende | 8 Auszubildende
  • Inhaber Markus Salm Academy
  • seit 2022 International Expert STMNT Grooming Goods
  • Auszeichnungen: u.a. Vize-Weltmeister, Deutscher Meister, Internationaler Grands Prix
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