Sind RYF Mitarbeiter in Kurzarbeit?
MB: Ja weitestgehend. Wir machen ein wenig Online-Weiterbildung und zusätzlich haben wir ein digitales Angebot für unsere Azubis.
„…mit solchen MitarbeiterInnen kann man nur gewinnen!“
Wie ist die Erfahrung mit Ihren MitarbeiterInnen in dieser Krise?
MB: Es ist ein Wahnsinn, was unsere MitarbeiterInnen alles leisten! Seit knapp einem Jahr stehen sie an vorderster Front und das in einer Zeit, in der man Kontakte vermeiden soll. Ich bin dankbar für diese unglaubliche Leistung und auch das Verständnis. Ich blicke dankbar, optimistisch und positiv ins neue Jahr, denn mit solchen MitarbeiterInnen kann man nur gewinnen!
Nutzen Sie die Corona Prämie?
MB: Ja, damit wollen wir all unseren Mitarbeitern für ihre unglaubliche Leistung in diesem Sonderfall danken und Anerkennung zeigen.
Finden Sie es richtig, Friseursalons geschlossen zu halten?
MB: Als Inhaber von RYF, rein wirtschaftlich und rational betrachtet, kann ich es nicht verstehen. Wir sind Hygieneprofis und haben ein funktionierendes Hygienekonzept. Es wurde alles dafür getan, dass ein sicherer Friseurbesuch möglich ist. Bei über 400.000 Gästebedienungen zwischen Lockdown 1 und 2, ist bei uns kein Infektionsfall aufgetreten. Dies hatte Bundesgesundheitsminister Spahn ja auch schon frühzeitig erkannt. Seine Aussage „Friseure müssen nicht wieder schließen“ war goldrichtig!
„Also ist die Schließung zur Eindämmung des Infektionsrisikos kontraproduktiv.“
Was ist Ihre konkrete Forderung an die Politik?
MB: Öffnet die Salons! Auf den Straßen laufen, trotz Lockdown, einige mit gut geschnittenen Haaren durch die Gegend, obwohl Salons geschlossen sind. Das wird dann zu Hause schwarz gemacht. So entstehen deutlich mehr Kontakte, als wenn man uns öffnen ließe. Also ist die Schließung zur Eindämmung des Infektionsrisikos kontraproduktiv. Ich bin der Meinung, dass man uns ohne Sorge wieder öffnen könnte. Von mir aus auch mit FFP-2-Masken, die stell ich gerne zur Verfügung.
„Uns fehlt eine laute Stimme, ein Gesicht, das für uns einsteht.“
Wie könnten Sie sich ein Lobbying für die Friseurbranche vorstellen?
Den pauschalen Lockdown im Dezember konnte ich noch nachvollziehen. Jetzt fordere ich von der Politik mit einem Skalpell an einer Lösung zu arbeiten. Das heißt nicht einfach pauschal alles zu schließen, sondern von Branche zu Branche zu schauen, wo könnte man wieder öffnen. Uns fehlt eine laute Stimme, ein Gesicht, das für uns einsteht. Die Landesinnungsverbände und der Zentralverband haben auch nur eingeschränkten Handlungsspielraum und geringe zur Verfügung stehende Mittel. Das verstehe ich auch, aber wenn der Gesundheitsminister meint, dass wir mit diesem Wissen von heute nicht mehr schließen müssten, brauchen wir eine laute Stimme, die hinterfragt, warum wir dann doch drei Monate später wieder zusperren müssen. Bewegungen gibt es zwar, aber die werden nicht laut genug kommuniziert.
Wie planen Sie 2021?
Momentan ist das ganz schwierig. Wahrscheinlich wird es 3 Phasen geben: Bei einer Wiedereröffnung wird es wieder einen Run auf die Friseure geben, danach wird sich die Frequenz auf Vorjahresniveau reduzieren mit ca. 20 – 25% weniger Gästen. Meine Hoffnung ist, dass wir ab dem 3. oder 4. Quartal wieder zur Normalität zurückkehren und erfolgreich und normal weiterarbeiten. Wir haben viele strategische Projekte vor, die Digitalisierung und Weiterbildung wird einen riesigen Push erhalten.
Was planen Sie in Bezug auf Digitalisierung?
MB: Terminvergabe ist das größte Projekt! Wir arbeiten an einem System, dass Termine effizient auf unsere KundInnen abstimmt und Termine vorschlägt, die es sich automatisch aus der Besuchsinformationen zieht.
Mit wem arbeiten Sie da zusammen?
Das machen wir selbst, ich komm ja aus der IT- und Beratungsbranche und bin sehr IT-affin. Seit vielen Jahren haben wir ein ausgeklügeltes Informationssystem, um die Flut an Daten zu analysieren und daraus Schlüsse zu ziehen. Wir waren eines der ersten Unternehmen, die den gesamten Prozess der gesetzliche vorgeschriebenen Kontaktdaten-Dokumentation direkt bei der Wiedereröffnung im Mai vollständig digital abgebildet hatte. Da sind wir gut unterwegs.
„Qualität und Leistung müssen immer stärker steigen als der Preis“
Preiserhöhung. Wie gehen sie damit um?
Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass die Branche mit der Preisentwicklung nicht mutig genug ist. Wir sind da ganz anders. Wir erhöhen regelmäßig die Preise, aber investieren auch in die Qualität der MitarbeiterInnen und der Salons. Unser Ziel –Qualität und Leistung müssen immer stärker steigen als der Preis.
Und nach dem Lockdown?
MB: Wir haben nach dem 1. Lockdown die Preise nicht erhöht, aber einen Hygieneaufschlag verlangt. Diese 2-4€ pro Besuch mehr steckten wir in unser Hygienekonzept. Mit der Mehrwertsteuersenkung haben wir die Preise nicht gesenkt. Unsere Kunden haben uns deswegen auch nicht abgestraft. Wir haben mit den etwas höheren Erträgen Boni für unsere MitarbeiterInnen ausgezahlt.
Um langfristig wirtschaftlich zu gesunden, muss man Preise erhöhen. Ein Teil der Kosten muss von Kunden mitfinanziert werden, dafür können wir ihnen eine super Leistung in einem sicheren Umfeld gewährleisten. Mit der wachsenden Wertschätzung unseres Handwerks, bin ich überzeugt, dass das unsere Gäste auch mitmachen werden.
„… zuversichtlich, dass wir gestärkt und auch besser aus dieser Krise herausgehen als wir hineingegangen sind.“
Auf was freuen Sie sich am Allermeisten in 2021?
Am allermeisten freue ich mich darauf, dass wir uns wieder begegnen können. Es fehlt die Nähe zu MitarbeiterInnen und Gästen. Ich freue mich auf die Zukunft und bin zuversichtlich, dass wir gestärkt und auch besser aus dieser Krise herausgehen als wir hineingegangen sind. Es wird den ein oder anderen treffen, der es nicht schaffen wird, aber die, die es schaffen werden, werden gesund und voller Tatendrang und Optimismus in die Zukunft starten. In jeder Krise entstehen immer auch neue Chancen, man muss nur hart arbeiten, um sie zu nutzen.
Vielen Dank für das ausführliche Gespräch und weiterhin viel Erfolg und Tatendrang.
_________________
Marc Breckwoldt ist Geschäftsführer der RYF Friseure Gruppe
70 Standorte in Deutschland und der Schweiz
Ca. 600 MitarbeiterInnen